Sachkundenachweis nach der Chemikalien-Klimaschutzverordnung bei Arbeiten an Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen

Die Europäische Union möchte den Ausstoß schädlicher Klimagase reduzieren. Dazu müssen auch bei Reparatur und Wartung Vorkehrungen gegen das Entweichen von Klimagasen getroffen werden, speziell bei der Wartung von Fahrzeugklimaanlagen, denn das Kältemittel R134a ist ca. 1430 mal schädlicher als CO2. Mit der Einführung der Chemikalien-Klimaschutzverordnung  zum 1.7.2008 wurden alle Handwerke und Industriebereiche verpflichtet, neben entsprechender technischer Ausstattung (Klimageräte zur Absaugung und Befüllung) den Wissensstand der Mitarbeiter über die neuen Vorgaben zu gewährleisten und dessen Sachkunde hierüber nachzuweisen.
Der Stichtag für den Sachkundenachweis war für Kraftfahrzeuge der 4. Juli 2010. Werden danach Wartungen und Reparaturen an Klimaanlagen durch Mitarbeiter ausgeführt, für die der Sachkundenachweis nicht erbracht werden kann, drohen Bußgelder.
Was also tun? Unser Landesverband NRWhat die folgende Zusammenfassung mit interessanten Ansätzen geliefert:

Die EU-Verordnung 842/226 unterscheidet beim Sachkundenachweis zwischen Arbeiten an stationären Anlagen (Verordnung 303/2008) und solchen an mobilen Klimaanlagen (VO 307/2008).

Mobile Anlagen sind Klimageräte in Fahrzeugen aller Art, die zur Innenraumkühlung dienen, und solche Geräte, die zur sog. Transportkälte eingesetzt werden. Sofern Arbeiten an Klimaanlagen, z. B. die einer Fahrerkabine von Traktoren oder von selbstfahrenden Arbeitsmaschinen, durchgeführt werden, muss der betreffende Mitarbeiter eines Land- & Baumaschinen-Fachbetriebes einen zusätzlichen Sachkundelehrgang absolviert haben. Ausnahme: Mitarbeiter, die über den erst seit 2006 möglichen Berufsausbildungsabschluss „Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik“ (VO vom 9.7.2003 bzw. vom 25.7.2008) verfügen. Ein kompaktes 1-tägiges Schulungskonzept zur Erlangung des Sachkundenachweises für Arbeiten an Fahrzeugklimaanlagen bietet die Akademie des Kfz-Gewerbes (TAK) über zahlreiche Bildungszentren des Handwerks an (Preis je Teilnehmer ab 80,- €, s. www.tak.de unter Sachkundeschulungen).

Bei Mitarbeitern, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung „Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik“ verfügen, entfällt die vorgenannte separate Schulung deshalb, weil die geforderten Schulungsinhalte für den Sachkundenachweis bereits mit der Ausbildung erworben wurden. Das hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in einem aktuellen Gutachten „Abgleich der Anforderungen nach der EU - Verordnung Nr. 307/2008 mit den Aus- und Fortbildungsregelungen in den fahrzeugtechnischen Berufen“ im März 2010 festgestellt (link).

Damit die Mitarbeiter diese Befreiung gegenüber der Ordnungsbehörde nachweisen können, empfehlen wir den Innungen für Land- und Baumaschinentechnik, eine entsprechende Sachkundebescheinigung auszustellen. Nach der Chemikalien-Klimaschutzverordnung vom 2.7.2008, §5 Absatz 2, sind dazu alle Innungen berechtigt, die von der Handwerkskammer ermächtigt wurden, Gesellenprüfungen im Beruf Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik durchzuführen. Über ein entsprechendes Muster der Bescheinigung verfügen die Landesverbände Land- & Baumaschinen (Übersicht); das Muster ist ein bundeseinheitlicher Formulierungs- und Gestaltungsvorschlag.

Zur Erlangung des Sachkundenachweises nach der VO 303/2008 für Arbeiten an stationären Kühlanlagen (z. B. an Melkanlagen) ist eine dreiwöchige Schulungsmaßnahme vorgeschrieben - die meisten Hersteller bieten dies bereits an. Hier muss jeder LM-Betrieb abwägen, ob sich der finanzielle Aufwand zur Erlangung des geforderten Sachkundenachweis rechnet, oder ob er dieses Teilgebiet zukünftig z. B. dem Kälteanlagenmechaniker überlässt.


Anlagen
ChemKlimaschutzV 2010 - EU-Rechtsbasis aus 2008 und deutsche Umsetzungsverodnung [3.962,73 kb]


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